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Archiv für die Kategorie ‘Gastbeiträge’

Rettungsanker Haiti: Danke! - Ein Gastbeitrag von Johnny Haeusler (Spreeblick)
25.1.2010, 17:07 Uhr

Rettungsanker Haiti: Danke!

Es war ein Novum für Spreeblick und auch für mich als Person. Zum allerersten Mal habe ich vor einer Woche damit begonnen, meinen und unseren Namen mit einer Spendenaktion zu verbinden, unsere Leserinnen und Leser also direkt darum zu bitten, ihr Geld für einen bestimmten Zweck auszugeben.

Die Erdbeben-Katastrophe von Haiti, bei der mit über 100.000 Toten und einem Vielfachen an Verletzten gerechnet wird, und die das ohnehin von Armut und Chaos gebeutelte Land binnen weniger Minuten in den verzweifelten Kampf ums pure Überleben gestürzt hat, ist Grund genug, wenigstens in die eigene Tasche zu greifen und andere darum zu bitten. Zehntausende von Prothesen werden in den nächsten Wochen lt. SZ für die Überlebenden benötigt, hunderte von Notoperationen werden täglich unter freiem Himmel durchgeführt, und über allem schwebt die zusätzliche Angst vor Seuchen, Gewalt und Nachbeben. Die Angst davor, dass man von der Hölle in das dunkle Verlies darunter geschickt werden könnte.

Nur Schwerstzyniker und Gewohnheitsfatalisten können in einem solchen Fall darüber sinnieren, dass Geld nicht wirklich hilft und sich über “Gutmenschen” beschweren.

Es stimmt: Das Thema Hilfsorganisation (und Entwicklungshilfe nochmal mehr) ist viele Diskussionen wert. Es stimmt ebenfalls, dass alles, was mit Geld zu tun hat, auch ein Geschäft ist, von dem nicht nur in diesem Fall fatalerweise auch Leute profitieren, die alles andere als Katastrophenopfer sind. Und es ist ebenfalls richtig, dass Geld allein nicht hilft.

Ich betrachte Geldspenden dennoch als enorm wichtig und keineswegs als „Ablasshandel“, sondern als eine Art der Anteilnahme und Unterstützung derer, die tatsächlich helfen können. Ich behaupte, dass beinahe jede Spenderin, jeder Spender sich wünscht, den Mumm, das Know-How und die Ausbildung dafür zu haben, sich aktiv und vor Ort nützlich zu machen, ich behaupte, dass viele Menschen mehr tun würden als Geld zu geben, wenn sie könnten. Und ich weiß, dass vielen die Ambivalenz von Spendenaktionen sehr bewusst ist.

Weshalb ich mich umso mehr bedanke für euer Vertrauen in uns als „Absender“ der Rettungsanker-Aktion und auch für die Unterstützung bei der Verbreitung im Netz, die auch von Medien wie z.B. Der Westen, Welt Online und JoSchaefers für die Frankfurter am Sonntag kam und noch immer kommt.

Ich gehe davon aus, dass die „Zielsumme“ (viele Wörter sind in einem solchen Kontext erbärmlich und unangemessen) übers Wochenende erreicht wird. Die Aktion ist damit nicht beendet, Spenden sind weiterhin möglich, nötig und willkommen, das monetäre, symbolische „Ziel“ heben wir jedoch nicht noch einmal an.

Das wahre Wunschziel, solche und andere Tragödien gar nicht erst passieren zu lassen, kann niemals erreicht werden, weshalb wohl niemand eine Spendenaktion wirklich als „Rettung“ bezeichnen würde – es bleibt aber die Hoffnung, einen minimalen Hilfsbeitrag zu leisten. Ich gehe nach den Gesprächen mit „Aktion Deutschland Hilft“ beruhigt davon aus, dass euer Geld an einer richten Stelle angekommen ist.

Wir würden als Medium gerne mehr leisten als Spenden zu sammeln oder Reportagen zu verlinken. Ich konnte zwar in den vergangenen Tagen mit Hilfe einiger Leser/innen Kontakte zu Menschen auf Haiti und/ oder Freunden dieser Haitianer aufnehmen und sie um kurze Dialoge, Berichte oder Eindrücke bitten, ich bin aber enorm schlecht darin, bei solchen Ereignissen „nachzuhaken“. Ich gehe davon aus, dass man auf Haiti wichtigeres zu tun hat, als Texte zu tippen oder mit mir zu skypen, habe vollstes Verständnis dafür und mag den Leuten nicht auf den Wecker gehen und damit im Weg stehen.

Johnny Haeusler

Gastbeitrag von Jürgen Richterich

DZI Spenden-Siegel: Zeichen für Vertrauen? Die kleine Organisation kann und will es sich nicht leisten, die Große setzt es mutwillig aufs Spiel.
1.3.2008, 14:49 Uhr

Juergen RichterichHelpedia öffnet sich ab sofort für Gastbeiträge ausgewählter Vertreter des gemeinnützigen Sektors. Den Auftakt macht Jürgen Richterich, Vorsitzender und Gründer des Nepal Kinderhilfe e.V. (www.nepalkinderhilfe.de) Er schreibt über das DZI-Spendensiegel aus Sicht einer kleinen gemeinnützigen Organisation:

Seit Jahren stecken gerade die kleinen Hilfsorganisationen und gemeinnützigen Vereine in dem Dilemma, sich das “Zeichen für Vertrauen” nicht leisten zu können. Kein verantwortungsbewusster Vereinsvorstand kann es gegenüber seinen Spendern vertreten, aus einem kleinen Jahresbudget, das ein Sammlungsergebnis von weniger als 50.00 Euro beträgt, ein kostspieliges Spendensiegel erstmalig zu beantragen und damit mindestens 3 % seiner Spendengelder einsetzen zu müssen. Ein kleiner Verein, der mühsam 20.000 Euro Spendengelder eingenommen hat würde seinen Sponsoren erklären müssen, warum er bereits 7,5 % aller Einnahmen für die Beantragung einsetzen will. Ist das das zielführend?

Wenn man in einem Entwicklungsland mit 50.000 Euro Spendengeldern mindestens 100 Kindern eine gute Ausbildung und die dazu notwendigen Randbedingungen schaffen kann, ist die Gebührenhöhe einfach nicht vertretbar. Soll man mindestens drei Kindern die Ausbildung verwehren, damit man sich mit den Großen der Branche messen kann? Vor allen Dingen muss man sich die Frage stellen, wie zeitnah die Siegel ausstellende Institution die Qualität der Antragsteller überwacht. Für maximal 10.000 Euro Bearbeitungsgebühr können sich die Großen jahrelang ein Qualitätsmerkmal erkaufen, dass aus der Portokasse finanziert wird, bevor eine nicht Leitlinien konforme Mittelverwendung nachgewiesen werden kann.

Es ist schade, dass die Spender so wenig über die Erteilung des Spendensiegels wissen. Ein schönes Siegel wirkt bereits optisch und wiegt in Sicherheit. Aber weiß der Spender auch, dass die Mitteleffizient einer Organisation dadurch bemessen wird, dass die Werbe- und Verwaltungsausgaben der Organisation ein vertretbares Maß nicht übersteigen dürfen. Als Richtlinie hierfür gilt, dass Werbe- und Verwaltungsausgaben von mehr als 35 % der Gesamtausgaben nicht vertretbar sind. Das heißt unter dem Strich, es wäre legitim, dass von 100 Spendern, die jeweils 1 Euro spenden, 35 Spender ihr Geld u. U. in die Werbe- und Verwaltungsausgabe der Organisation stecken. Haben die 35 Spender dieses Ziel verfolgt?

NTV berichtet am 19.02.08: Die Krise bei UNICEF wirkte sich einer Forsa-Umfrage zufolge negativ auf die Spendenbereitschaft der Deutschen aus. Demnach will mehr als ein Viertel der Befragten (27 Prozent) künftig weniger für wohltätige Zwecke ausgeben. 44 Prozent wollen ebenso viel spenden wie bisher, 27 Prozent gaben an, sie würden ohnehin nicht spenden.

Dürfen die kleinen Vereine und ihre ehrenamtliche Helfer nun auch an der prognostizierten Zahl rückläufiger Spendenbereitschaft partizipieren? Ein Dank an diejenigen, die den Vertrauensbeweis für sich und andere verspielt haben!

Jürgen Richterich

Vorsitzender
Nepal Kinderhilfe e.V.

Auszug aus “DZI Spenden-Siegel: Zeichen für Vertrauen, Leitlinien und Ausführungsbestimmungen, Berlin 2006” (S.8)
“II. Verfahrensregelung - Punkt 10 - Prüfgebühren.
(1) Für die erstmalige sowie für jede weitere Abwicklung des Prüfverfahrens zur Siegel-Zuerkennung berechnet das DZI der Antrag stellenden Organisation eine Gebühr, welche sich nach der vom Vorstand des DZI beschlossenen Gebührenordnung bestimmt.
(2) Die Bearbeitungsgebühr setzt sich zusammen aus einem Grundbetrag in Höhe von 500 EUR und einem Zusatzbetrag in Höhe von 0,035 Prozent des “Sammlungsergebnisses” im zu prüfenden Bezugsjahr. Bei der erstmaligen Beantragung wird außerdem einmalig eine Erstantragsgebühr von 1.000 EUR erhoben. Bearbeitungsgebühr und Erstantragsgebühr werden bereits unmittelbar nach Antragstellung fällig und vom DZI in Rechnung gestellt. Die Antragsbearbeitung wird erst nach Überweisung der Gebühren aufgenommen. Bei Verlängerungsanträgen ist die gesamte Bearbeitungsgebühr erst nach Abschluss der Prüfung bzw. deren Dokumentation zu entrichten.
(3) Organisationen mit einem “Sammlungsergebnis” von weniger als 50.000 EUR jährlich entrichten lediglich den Grundbetrag von 500 EUR und, soweit es sich um einen Erstantrag handelt, die Erstantragsgebühr.
(4) Die Bearbeitungsgebühr für die Prüfung beträgt insgesamt höchstens 10.000 EUR.
(5) Die genannten Gebührensätze verstehen sich zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.”