
Mitte Februar habe ich im Rahmen der NPO-Blogparade in diesem Blog die Frage aufgeworfen, warum die Höhe der Verwaltungskosten bei spendensammelnden Organisationen so oft im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte steht. Hierauf wurde von verschiedener Seite geantwortet, sei es per Kommentar oder eigenem Blogbeitrag. Diese Reaktionen sollen hier in einer kurzen Zusammenfassung dargestellt werden.
Anfangen will ich mit Hannes Jähnert, der sich ebenfalls für eine offensivere Kommunikation durch die NPOs selbst einsetzt. Er schreibt: “Es muss vielmehr darum gehen, den Spenderinnen und Spendern die Notwendigkeit von Verwaltung und den damit verbundenen Kosten deutlich zu machen.” Für kritischer hält er es allerdings die Regularien der Marktwirtschaft, auch auf die Welt sozialer Organisationen zu übertragen. Wer hier ebenfalls auf die segensreichen Ergebnisse des Konkurrenzkampfes setzt, habe “eine falsche Vorstellung [bezüglich] der Vergleichbarkeit von NPOs mit FPOs (For Profit Organisationen)“. Auch wenn ich hier zum Widerspruch tendiere (Details in einem künftigen Beitrag) meinen besten Dank für die in diesem Zusammenhang aufgeführte Studie des MAECENATA-Instituts, welches schon 2003 festgestellt hat, “ …daß der öffentlich praktizierte Verwaltungskostenfetischismus in jeder Hinsicht als unsinnig abgetan werden muß.”
Christian Henner-Fehr vom Kulturmanagement-Blog wünscht sich von Hilfsorganisationen, denen er Geld gespendet hat, auch langfristige Informationen über deren Arbeit. Er stellt zu Recht fest, dass es heutzutage keinen Grund mehr geben sollte dies nicht zu tun: “Das [die langfristige Versorgung mit Informationen] war zugegeben früher auch ziemlich schwierig und teuer. In Zeiten von Social Media ist das aber sehr wohl möglich“. Wie Sascha geht er auch davon aus, dass erst im Nachhinein Informationen zur Effektivität eines bespendeten Projekts zu erlangen sind. Hier bin ich, zumindest was den Bereich der Entwicklungszusammenarbeit angeht, anderer Meinung. Bis auf wenige, experimentelle Projekte gibt es für fast jeden Ansatz Untersuchungen, die eine Vergleichbarkeit von Alternativen möglich machen bzw. wäre es verhältnismäßig leicht, solche Studien durchzuführen. Um ein Beispiel zu nennen seien zwei Programme zur Bekämpfung der Immunschwächekrankheit Aids aufgeführt: Während sich das eine darauf beschränkt, Enthaltsamkeit bzw. Monogamie zu predigen, setzt das andere auf Aufklärung und den Vertrieb von Verhütungsmitteln. Die Erkenntnis, dass hier bei gleichem Mitteleinsatz sehr unterschiedliche Ergebnisse zu erwarten sind, sollte meiner Meinung nach durchaus schon im Vorfeld möglich sein, liegen doch genügend entsprechende Analysen vor (was leider nicht dazu führt, die vorhandenen Mittel ganz auf den effektiveren Ansatz zu konzentrieren).
Günter Bressau, der sich per Kommentar und in seinem Blog bresgun – enterprise 2.0 Marketing an der Diskussion beteiligt hat, kennt die Thematik aus eigener Erfahrung. So hat er sich im Rahmen der Aktion “Mitmachen Ehrensache” selbst die Frage gestellt, “…ob es moralisch vertretbar sei, von dem von Jugendlichen erarbeiteten und gespendeten Geld Verwaltungskosten anteilig einzubehalten.” Seine Schlussfolgerung ist, dass sich Non-Profit-Organisationen der Thematik offensiver stellen und die Möglichkeiten des Internets als ideale Plattform nutzen sollten: “Möglichkeiten, dies anzugehen, sind im Web 2.0 gegeben, sie müssen nur genutzt werden.”
Brigitte Reiser von Nonprofits-vernetzt.de wiederum führt sechs Gründe bzw. Handlungsempfehlungen als Antwort auf die eingangs gestellte Frage auf. Wichtig hierbei ist ihr, die Rolle von gemeinnützigen Organisationen und damit auch deren Verwaltungskostenanteil nicht zu eindimensional zu betrachten “…je offensiver Nonprofit-Organisationen ihre Rolle als Interessenvertreter, integrative Instanzen und Förderer der Partizipation auf lokaler Ebene praktizieren, desto höher werden ihre allgemeinen Verwaltungskosten sein bzw. ihre nicht-projektgebundenen Ausgaben für Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, Organisationsentwicklung usw.”
Wie man an den verschiedenen, von den einzelnen Autor/innen angesprochenen Punkten und Sichtweisen erkennen kann, ist das letzte Wort zum Thema Verwaltungsosten noch nicht gesprochen. Einigkeit herrscht aber darin, dass die sich im Internet bietenden Chancen genutzt werden sollten, das Thema auch in seiner gesamten Komplexität zu kommunizieren.
Zum Schluss noch ein Verweis auf die nächste Runde der NPO-Blogparade. Diese wird von Ulrike Schmidt auf Ihrem Blog Kultur 2.0 gehostet und beschäftigt sich mit der Frage “Warum werden Bewegtbilder von NPOs so wenig genutzt?“
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