Wie Euch sicherlich nicht entgangen ist, war “SKS Microfinance India Raises Largest Private Equity Investment” heute die Top-Schlagzeile der Social-News. Es ging dabei um ein Investment über 75 Millionen US$ in eine Mikrofinanzorganisation, was in meinen Augen an sich schon eine gute Nachricht ist. In diesem Fall wird dies allerdings noch dadurch aufgewertet, dass es sich bei den Geldgebern nicht um die üblichen Verdächtigen gehandelt hat. Anstelle von (halb-)staatlichen Institutionen oder auf soziale Investments spezialisierten Nischenfonds, waren dieses Mal mehrere und teilweise sehr namenhafte Venture Capital Firmen mit dabei. Neben Lead-Investor Sandstone Capital sei hier vor allem Sequoia Capital genannt, die Firma, welche schon am Aufbau von so namenhaften IT-Unternehmen wie Apple, Oracle, Yahoo, Google, Youtube … beteiligt war. Wichtig dabei ist, dass es sich nicht, wie man erwarten könnte, um milde Gaben handelt und Sequoia und Co. ihre in der Vergangenheit gemachten Gewinne nun einem guten Zweck zuführen wollen. Hier handelt es sich stattdessen um profitorientiertes Vorgehen. So hat Sequoia seine Investitionen beispielsweise daran geknüpft, dass es in den nächsten 3 – 5 Jahren zu einem Exit (Verkauf oder Börsengang) kommt, wobei die Renditeerwartung jenseits der 20% pro Jahr liegt.
Aber was soll daran gut sein? Haben solche “Turbokapitalisten” in letzter Zeit nicht schon genug Unheil über de Welt gebracht?
Ich bin überzeugt davon, dass es ein Schritt in die richtige Richtung ist. Beweist es doch, dass Menschen wie C.K. Prahalad nicht ganz falsch liegen, wenn sie vom Reichtum am Grunde der Pyramide reden. Auch mit extrem armen Menschen lassen sich Geschäfte machen, von denen beide Seite profitieren – und zwar auch finanziell, also nicht nur spirituell, wie bei der klassischen Entwicklungshilfe bzw. -zusammenarbeit. Aus einer solchen Win-win-Situation lässt sich eine ganz andere Dynamik entwickeln, da man nicht mehr auf das launenabhängige Geld der Gutmenschen angewiesen ist. Sondern man kann sich auf bewährtes Profitstreben verlassen, welches Investitionen in ganz anderen Größenordnungen ermöglicht. Trotz zusätzlicher Mittel und enormer Fortschritte in den letzten Jahren haben nach wie vor Millionen Menschen keinen Zugang zu Krediten. Deshalb können sie oftmals selbst kleinste Ausgaben nicht tätigen, die ihnen helfen würden, sich aus der Armut zu befreien (vom Schuhputzkasten über die Ricksha zum Fischernetz). Da solche Mikroinvestitionen für die KreditnehmerInnen in der Regel Renditen von deutlich über 100% bescheren, kommt es in erster Linie eben nicht darauf an, dass durch Subvention die entsprechenden Zinsen um ein paar Prozent gedrückt werden. Stattdessen geht es darum, überhaupt Zugang zu Kapital zu erhalten. Hierfür sind privates Geld und Unternehmergeist notwendig – und genau dafür steht SKS Mikrofinance wie momentan keine andere Institution im Bereich Mikrokredit (Nobelpreisträger eingeschlossen).




