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Archiv für die Kategorie ‘Mikrofinanzen-Mikrokredite’

Von wegen Kreditkrise: 75 Millionen US$ Venture Capital für SKS Microfinance
19.11.2008, 11:21 Uhr

Geld Mikrokredite Wie Euch sicherlich nicht entgangen ist, war “SKS Microfinance India Raises Largest Private Equity Investment” heute die Top-Schlagzeile der Social-News. Es ging dabei um ein Investment über 75 Millionen US$ in eine Mikrofinanzorganisation, was in meinen Augen an sich schon eine gute Nachricht ist. In diesem Fall wird dies allerdings noch dadurch aufgewertet, dass es sich bei den Geldgebern nicht um die üblichen Verdächtigen gehandelt hat. Anstelle von (halb-)staatlichen Institutionen oder auf soziale Investments spezialisierten Nischenfonds, waren dieses Mal mehrere und teilweise sehr namenhafte Venture Capital Firmen mit dabei. Neben Lead-Investor Sandstone Capital sei hier vor allem Sequoia Capital genannt, die Firma, welche schon am Aufbau von so namenhaften IT-Unternehmen wie Apple, Oracle, Yahoo, Google, Youtube … beteiligt war. Wichtig dabei ist, dass es sich nicht, wie man erwarten könnte, um milde Gaben handelt und Sequoia und Co. ihre in der Vergangenheit gemachten Gewinne nun einem guten Zweck zuführen wollen. Hier handelt es sich stattdessen um profitorientiertes Vorgehen. So hat Sequoia seine Investitionen beispielsweise daran geknüpft, dass es in den nächsten 3 – 5 Jahren zu einem Exit (Verkauf oder Börsengang) kommt, wobei die Renditeerwartung jenseits der 20% pro Jahr liegt.

Aber was soll daran gut sein? Haben solche “Turbokapitalisten” in letzter Zeit nicht schon genug Unheil über de Welt gebracht?

Ich bin überzeugt davon, dass es ein Schritt in die richtige Richtung ist. Beweist es doch, dass Menschen wie C.K. Prahalad nicht ganz falsch liegen, wenn sie vom Reichtum am Grunde der Pyramide reden. Auch mit extrem armen Menschen lassen sich Geschäfte machen, von denen beide Seite profitieren – und zwar auch finanziell, also nicht nur spirituell, wie bei der klassischen Entwicklungshilfe bzw. -zusammenarbeit. Aus einer solchen Win-win-Situation lässt sich eine ganz andere Dynamik entwickeln, da man nicht mehr auf das launenabhängige Geld der Gutmenschen angewiesen ist. Sondern man kann sich auf bewährtes Profitstreben verlassen, welches Investitionen in ganz anderen Größenordnungen ermöglicht. Trotz zusätzlicher Mittel und enormer Fortschritte in den letzten Jahren haben nach wie vor Millionen Menschen keinen Zugang zu Krediten. Deshalb können sie oftmals selbst kleinste Ausgaben nicht tätigen, die ihnen helfen würden, sich aus der Armut zu befreien (vom Schuhputzkasten über die Ricksha zum Fischernetz). Da solche Mikroinvestitionen für die KreditnehmerInnen in der Regel Renditen von deutlich über 100% bescheren, kommt es in erster Linie eben nicht darauf an, dass durch Subvention die entsprechenden Zinsen um ein paar Prozent gedrückt werden. Stattdessen geht es darum, überhaupt Zugang zu Kapital zu erhalten. Hierfür sind privates Geld und Unternehmergeist notwendig – und genau dafür steht SKS Mikrofinance wie momentan keine andere Institution im Bereich Mikrokredit (Nobelpreisträger eingeschlossen).

Kiva vs. MicoPlace vs. MyC4
30.6.2008, 11:41 Uhr

Nachdem Steve ja bereits über Kiva berichtet hat und ich hier auf mögliche Kritikpunkt eingegangen bin, will ich besagte Mikrokredit-Plattform nun noch mal im Rahmen zweier ähnlicher Angebote präsentieren.

Das wichtigste zur ältesten und mit Abstand bekanntesten Internetplattform für die Abwicklung von Mikrokrediten wurde ja bereits in den beiden oben genannten Artikeln zusammengefasst. Daher sei hier nur noch mal gesagt, dass es sich bei Kiva um eine gemeinnützige Organisation handelt, über deren Plattform man sich in 25 US$ - Paketen an der Vergabe von Kleinstkrediten an ausgewählte Einzelpersonen in Entwicklungsländern beteiligen kann. Zinsen erhält man dafür nicht, sondern wird im Gegenteil noch zu einer Spende an Kiva selbst animiert, damit diese nachhaltig arbeiten kann. Kiva leitet das Geld dann kostenfrei an entsprechende Partnerorganisationen in dem jeweiligen Land weiter, welche dann letztendlich Kredite an die ausgewählten KleinstunternehmerInnen vergibt. Dies geschieht jedoch keinesfalls umsonst, denn der Organisation entstehen ja nach wie vor Kosten, die durch Kiva nicht kleiner geworden sind (z.B. durch die Erstellung von Onlineprofilen der KreditnehmerInnen). Für die Zukunft ist laut Kiva auch geplant, den Kreditgebern zu ermöglichen, Zinsen zu verlangen. Aber wann und unter welchen Umständen dies passieren wird, ist noch nicht klar. Unstrittig allerdings ist Kivas Erfolg bei der Erschließung neuer, sozialer Investoren. Laut Website werden über die Plattform inzwischen mehr als 2,5 Mio. US$ pro Monat vermittelt.

Nachdem Wirtschaftsstudentin Tracey Pettengill Turner erstmalig vom Konzept der Mikrofinanzierung gehört hatte, war sie schnell begeistert. Um sich jedoch selbst ein Bild zu machen, ob und wie das in der Praxis funktioniert, beschloss sie, der Grameen Bank in Bangladesch einen Besuch abzustatten. Nachdem sie sich dort zusätzliche Inspiration geholt hatte (ein solcher Aufenthalt hat ja auch schon andere auf dumme Gedanken gebracht… -> siehe “Von der Grameen Bank zu Helpedia“), kam ihr die Idee, auch “einfachen Leuten” aus den USA die Möglichkeit zu geben, in diese gute Sache zu investieren. Dies war dann die Geburtsstunde von MicroPlace. Durch Kontakte zu eBay, dessen Gründer ja bekannt sind für ihre Unterstützung von Social Entrepreurs, wurde MicroPlace dann im Sommer 2006 zu einer “eBay Company”. Im Gegensatz zu Kiva ist MicroPlace keine gemeinnützige Organisation, aber man hat glaubhaft versichert, dass eventuelle Gewinne nicht an die eBay-Aktionäre, sondern an andere soziale Initiativen fließen würden (im Zweifelsfall die eBay Stiftung). Soweit zum Hintergrund. Für die normale Nutzerin besteht der Hauptunterschied zu Kiva darin, dass man bei Microplace keinen Einzelpersonen, sondern Mikrofinanzinstitutionen Geld leihen kann. Über die auf soziale Investments spezialisierte Calvert Foundation bzw. Oikokredit werden die Einlagen der ausgewählten Organisation zur Verfügung gestellt. Neben zahlreichen Entwicklungsländern kann man über MicroPlace seit neustem auch Projekte in den USA unterstützen. Ein weiterer Unterschied zu Kiva ist, dass man Zinsen auf seine Einlagen erhält, wobei diese momentan noch bei bescheidenen 1,25% - 3% liegen.

Den wohl kreativsten Ansatz fährt das im Mai 2006 vom dänischen Geschäftsmann Mads Kjær gegründete Unternehmen MyC4. Einerseits kann man sich hier wie bei Kiva direkt einzelne KleinstunternehmerInnen aussuchen, die man mit Hilfe einer Mikrofinanzinstitution unterstützen möchte. Andererseits erhält man auf die entsprechenden Investitionen durchaus Zinsen. Diese werden jedoch nicht einfach festgelegt, sondern durch eine Art Auktionsverfahren ermittelt, wobei die maximale Verzinsung bei 25% liegt. Für die KreditnehmerIn kommen da dann allerdings noch mal diverse Aufschläge von MyC4 sowie den an der Kreditvergabe beteiligten Institutionen dazu. Seit Beginn der Unternehmung wurden laut Website schon über 2,2 Mio. € an knapp 1.500 Kleinstunternehmen vermittelt, wobei die durchschnittlichen, von den Nutzern (Kreditgebern) verlangten Zinsen bei 12% lagen. Im Unterschied zu Kiva kam die Anschubfinanzierung des Projektes übrigens nicht aus dem Technologieumfeld, sondern zum einen von dem Maschinenbauunternehmen Kjær Group bzw. dessen Geschäftsführer und zum anderen und DANIDA, einer dänischen Institution des staatlichen Entwicklungszusammenarbeit.

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Kritik an Kiva!?
17.5.2008, 19:53 Uhr

Nachdem Stephan hier ja schon über Kiva, die Onlineplattform zur Vermittlung von Mikrokrediten, geschrieben hat, sollen hier nun auch noch ein paar Worte von mir folgen. Insbesondere möchte ich auf die Kritik eingehen, die zum einen diesem Spiegel-Artikel zu entnehmen ist, welche ich in ähnlicher Form aber auch schon selbst von diversen Mikrofinanzexperten vernommen habe.

Obwohl es den Eindruck macht, kann über Kiva einer armen Kleinstunternehmerin aus einem Schwellen- oder Entwicklungsland nicht direkt ein Kredit gegeben werden. Was man allerdings mit Hilfe der Kiva-Plattform machen kann, ist Geld an eine Mikrofinanzinstitution weiterzuleiten, die es wiederum an die ausgewählte Person verleiht. Besagte Mikrofinanzinstitution erhält das Geld dabei unentgeltlich, verlangt aber durchaus Zinsen von der Endkundin. Das ist gut und richtig so, liegt es doch in der Natur der Sache, dass die Transaktionskosten von Mikrofinanzinstitutionen verhältnismäßig hoch liegen (wer hier mehr wissen will, kann gerne einen Blick in meine Diplomabreit über Mikrokredit-Zinsen werfen). Dies wird in der Fachwelt auch nicht kritisiert, ganz im Gegenteil. Der eigentliche Vorwurf der ExpertInnen besteht nämlich darin, dass die Mikrofinanzinstitutionen selber keine Zinsen an Kiva zahlen müssen. Durch diese zinslosen Darlehen würden Kivas Partnerorganisationen einen nicht marktkonformen Wettbewerbsvorteil erhaltenen. Dieser könnte wiederum die Vernachlässigung alternativer Finanzierungsquellen, wie z.B. lokaler Spareinlagen, nach sich ziehen und mittelfristig zu einer Abhängigkeit von Kiva führen.

Abgesehen davon, dass es interessant ist, dass diese Vorwürfe u.a. von Vertretern staatlicher Entwicklungszusammenarbeitsinstitutionen kommen, die ja selber in der Regel zumindest stark subventioniert Darlehen vergeben (+ Beratungsgoodies), wurde hier meiner Meinung nach auch ein anderer wichtiger Punkt außer Acht gelassen. Kiva war und ist ein Startup, welches zum Zeitpunkt des Spiegelartikels gerade mal 2 Jahre auf dem Buckel hatte (davon 6 Monate als nebenberufliches “Hobbyprojekt”)! Noch dazu von Menschen gegründet, die einen technischen und keinen entwicklungspolitischen Hintergrund haben. Man verstehe mich nicht falsch, es liegt mir fern eine womöglich schädliche Institution mit Unwissenheit bzw. mangelnder Fachkenntnis zu entschuldigen. Ich plädiere aber stark dafür, sich mit einer Bewertung etwas mehr Zeit zu lassen. Zu erwarten, dass Kiva knapp 2 Jahre nach Gründung bereits alles richtig macht, erscheint mir geradezu naiv. Außerdem lässt sich der Vorwurf der zinslosen Darlehen an Mikrofinanzinstitutionen zumindest abschwächen, indem man die zusätzlichen Transaktionskosten beachtet, welche durch eine Partnerschaft mit Kiva entstehen. Von jeder Kreditnehmerin ein eigenes Onlineprofil zu erstellen ist im Verhältnis zu Kreditsummen von teilweise kaum 100 US$ durchaus ein Kostenfaktor (die Kreditsachbearbeiter arbeiten durchaus nicht ehrenamtlich).

Inzwischen wurden die oben aufgeführten Risiken auch von Kiva erkannt und so kann eine Mikrofinanzinstitution maximal 30% ihres Kreditportfolios durch Darlehen von Kiva decken. Somit wird zumindest einer kompletten Abhängig von Kivas Geldmitteln ein Riegel vorgeschoben. Zusätzlich schließt Kiva für die Zukunft nicht aus die Kredite nicht mehr völlig kostenfrei weiterzugeben. Damit könnten nicht nur die oben beschriebenen Marktverzerrungen vermieden werden, sondern es würde auch eine nachhaltige Finanzierung von Kiva selbst ermöglicht (wie man das marketingtechnisch über die Bühne bringen will steht auf einem anderen Blatt).

Wer jetzt noch am Engagement, Innovationskraft und Lernbereitschaft von Kiva zweifelt, dem sei dringend das oben eingebettete Video mit Kivas Präsidenten Premal Shah empfohlen (leider nur auf Englisch). Denke von dem kann sich der/die ein oder andere Aktive im gemeinnützigen Sektor noch ne Scheibe abschneiden (der Schreibende eingeschlossen).

Kiva.org - Mikrokredite selbstgemacht!
2.5.2008, 20:02 Uhr

Asha Bakari ist 22 Jahre alt, sie lebt in Tansania und ist die Besitzerin eines kleinen Geschäfts. Für dieses braucht sie dringend ein Darlehen, um ihr Sortiment zu vergrößern.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat sie ihr Projekt auf Kiva.org vorgestellt und es darüber geschafft, zusammen mit einer Gruppe anderer Geschäftsfrauen einen Mikrokredit zu bekommen.
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Was also ist Kiva?

Kiva ist eine Organisation, die es jedem Menschen mit Kreditkarte oder PayPal-Account über das Internet ermöglicht, Kleinstunternehmern in Entwicklungsländern Geld zu leihen.

Diese Gelder werden als Darlehn über die Kivaplattform an eine Partnerorganisation in dem jeweiligen Land vergeben, die diese an die ausgewählte Kreditnehmerin weiterleitet.

Da man als Kreditnehmer wie Kreditgeber auf Kiva mit eigenem Profil zu sehen ist, wurde die Seite auch schon als “Myspace der Entwicklungshilfe” bezeichnet. Dies mag allerdings nur auf den ersten Blick so erscheinen.

Bei Kiva handelt es sich nicht um ein Social-Network, denn eine Kommunikation der Nutzer untereinander ist nicht möglich. Im Mittelpunkt steht ganz klar die Darstellung der durch die Vergabe von Mikrokrediten entstandenen Geschäftsbeziehungen.

Kritische Stimmen behaupten jedoch, dass dies im Falle Kivas nicht zu erwarten sei, da Kivas Partnerorganisationen die Kredite zinslos erhalten (nicht jedoch die eigentlichen Kreditnehmerinnen) und es somit langfristig zu Marktverzerrungen und kontraproduktiven Abhängigkeitsverhältnissen kommen würde (ich verweise hier auf diesen Artikel auf Spiegel Online - auf den Basti hier noch etwas näher eingeht).

Trotz dieser Kritik entschied ich mich Kiva.org auszutesten, da mich die Idee einer einfachen, mikrokreditbasierten Unterstützung überzeugte.

Nun gut, und wie sieht das jetzt im Detail aus?

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Helpedia Interviews: Delphine Balzagette von PlaNet Finance Deutschland
15.4.2008, 14:57 Uhr

Nicht zuletzt inspiriert von Gründerszene (man beachte die kleine Reminiszenz am Anfang ;-), haben wir von Helpedia uns dazu entschlossen mal auszuprobieren, ob es nicht auch spannend wäre, einige interessante Persönlichkeiten aus der Non-Profit Welt per Video vorzustellen.

Den Anfang hierbei macht Delphine Balzagette, die seit einem guten Jahr dabei ist, in Deutschland einen Ableger der international schon sehr aktiven Mikrofinanz-NGO PlaNet Finance (http://deutschland.planetfinance.org) aufzubauen. Neben Hintergründen zur Welt von Mikrokredit und Co. berichtet sie auch über ihre Motivation sich in einer gemeinnützigen Organisation zu engagieren, die Herausforderungen in Deutschland eine solche aufzubauen und Möglichkeiten der ehrenamtlichen Mitarbeit.

Sollte sich übrigens jemand für die Idee begeistern können, kleine Video-Porträts von GründerInen oder MitarbeiterInnen sozialer Initiativen zu erstellen, so würden wir uns über eine entsprechende Kontaktaufnahme engagierter (Hobby-)Filmer sehr freuen.