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Auswirkung der Finanzkrise auf Nonprofit-Organisationen

Im Rahmen der von Brigitte Reiser initiierten NPO-Blogparade will auch ich mich zu den Folgen der Finanzkrise für Nonprofits äußern.

Die potentiell negativen Auswirkungen der Finanzkrise lassen sich meiner Meinung nach in zwei Kategorien einteilen. Im ersten Fall entstehen Einnahmeausfälle für gemeinnützige Organisationen aufgrund der geringeren Zahlungsbereitschaft bisheriger Geldgeber. Dies kann beispielsweise der Banker sein, welcher 2008 auf seinen gewohnten Bonus verzichten muss oder gar seinen Job verloren hat; ein Unternehmen, welches den Gürtel enger schnallt oder auch der Staat selbst, welcher nicht nur von Steuerausfällen bedroht ist, sondern sich auch mit unerwarteten Ausgaben konfrontiert sieht. Letzteres hat beispielsweise zu meiner großen Enttäuschung dazu geführt, dass Obama/Biden inzwischen die angekündigte Erhöhung des Etats für Entwicklungszusammenarbeit in Frage stellen.

Im zweiten Fall sind insbesondere Stiftungen betroffen, welche in der Regel selbst am Kapitalmarkt investiert haben und in der Vergangenheit oftmals beeindruckende Renditen eingefahren haben. Als Beispiel seien hier die Fonds der großen us-amerikanischen Universitäten (gemeinnützige Bildungseinrichtungen) genannt, welche in den vergangenen beiden Jahren um durchschnittlich 16,8% gewachsen sind. Hiervon muss man natürlich noch den Zufluss an neuen Zuwendungen abziehen, der für etwa 1/5 des Wachstums verantwortlich gemacht werden kann. Aber selbst danach kommt man noch immer auf stolze 13,4%. Solche Renditen erzielt man nicht, indem man sein Geld nur in festverzinsliche Bundesschatzbriefe anlegt…

Insofern kann man davon ausgehen, dass, selbst wenn die Durchschnittsstiftung ihr Geld konservativer angelegt hat, für die kommenden Jahre mit einem leichten Rückgang der Stiftungszuwendungen gerechnet werden muss. Letzteres war zumindest das Resultat vergangener Rezessionen, auch wenn sich die Auswirkungen insgesamt in Grenzen gehalten haben.

Auf der anderen Seite sehe ich allerdings auch die Chance für viele Stiftungen ihre Investitionspolitik noch einmal grundsätzlich zu überdenken. Macht es Sinn sich dem Kampf gegen Krebs zu widmen, wenn die eingesetzten Mittel aus Dividenden der Philip Morris Muttergesellschaft Altria stammen? Ist es nicht doppelzüngig, wenn die eigenen Beteiligungen Millionengewinne durch Geschäfte mit skrupellosen Diktatoren machen, man diese Gelder dann aber einsetzt um deren Opfer zu unterstützen? Abgesehen davon zeigen beispielsweise gerade die Mikrofinanzbanken, dass ethische Investments durchaus auch finanziell nachhaltiger sein können, sind diese Geldinstitute von der aktuellen Krise doch weit weniger stark betroffen, als die Banken der Wall-Street.

Das ist natürlich kein Garant, dass eine solche Strategie nicht zu signifikant geringeren Einnahmen führen könnte und damit die eigentliche Zielerreichung gefährdet. So hat sich beispielsweise die Gates-Stiftung ganz bewusst dagegen entschieden, als Investor zu versuchen eine wirklich positive Rolle zu spielen und auch Holden Karnofsky von GiveWell sieht “investing in evil” nicht als grundsätzliches Problem. Aufgrund des Wachstums ethischer Investitionsmöglichkeiten und neuartiger Schnittstellen diese mit direkten Gaben an wohltätige Organisationen zu verbinden, gehe ich allerdings davon aus, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

Ein Kommentar zu “Auswirkung der Finanzkrise auf Nonprofit-Organisationen”

  1. Nonprofits-vernetzt.de » NPO-Blogparade: Finanzkrise und die Folgen für Nonprofits

    [...] Sebastian Schwiecker von Helpedia rückt in seinem Beitrag die Situation von Stiftungen in den Mittelpunkt, die - weil selbst am Kapitalmarkt aktiv - die Krise etwas deutlicher spüren. Er verlinkt zur Seite des Foundation Center , das Daten über die Entwicklung des amerikanischen Stiftungsvermögens und der Stftungszuwendungen seit 1975 liefert. Die vergangenen Rezessionen führten immer zu einem leichten Rückgang der Stftungsmittel für Nonprofits. Gleichzeitig sieht Schwiecker in der Finanzkrise die Chance, dass Stiftungen ihre Investitionspolitik überdenken und sich stärker um ethische Investitionsmöglichkeiten bemühen, die ihre Glaubwürdigkeit nicht verletzen. [...]


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