Wie man hier und hier nachlesen kann, hat Barack Obama im Vorwahlkampf um die amerikanische Präsidentschaft allein im Februar Spenden in der geradezu unglaubliche Höhe von 55 Millionen US$ eingesammelt. Was mich aber fast noch mehr beeindruckt hat ist, dass über 80% davon online eingegangen sind und zwar von mehr als 1 Million verschiedenen SpenderInnen.
Dieser Trend ist übrigens keinesfalls auf die Politik beschränkt, sondern trifft auch auf den gemeinnützigen Sektor in den USA zu. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wächst der Markt für Onlinespenden seit Jahren mit einer Rate von über 50% und hat laut der ePhilanthropy Foundation im Jahre 2006 einen neuen Rekordwert von 6,87 Milliarden US$ erreicht. Um diese Zahl richtig einschätzen zu können sei gesagt, dass wir Deutschen on- und offline zusammengerechnet jeh nach Schätzung zwischen 3,4 und 5,2 Milliarden € spenden. Versteht sich, dass wir von Helpedia in Zukunft unseren Beitrag dazu leisten wollen um hier ein bisschen aufzuholen.
Um auf Obama zurückzukommen sei gesagt, dass ich inzwischen durchaus nachvollziehen kann, warum er es schafft soviel Unterstützung zu mobilisieren und in der Tat glaube ich, dass er von den verbleibenden KandidatInnen der beste für die Welt wäre. Mal abgesehen davon, dass er sehr deutlich gemacht hat, künftig weniger auf militärische Mittel zu setzen und auch die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit bis 2012 verdoppeln will (siehe Video), dürfte es dem ein oder anderen (potentiellen) Extremisten einfach sehr viel schwerer fallen tiefen, undifferenzierten Hass gegen den schwarzen Barack Hussein Obama zu empfinden.



Erstellt am 12.3.2008 um 11:52
Interessante Zahlen. 6,87 Milliarden Online-Dollar klingen wirklich beeindruckend. Aber ist der gesamte Spendenmarkt der USA nicht um die 300 Milliarden groß? Dann ist es gar nicht mehr so viel.
Erstellt am 12.3.2008 um 15:22
Laut dieser Studie der GivingUSA Foundation wurden 2006 in den USA von Privatpersonen ca. 223 Milliarden US-Dollar gespendet (insgesamt ca. 295 Milliarden), wobei hiervon wiederum ein großer Teil für kirchliche Zwecke bestimmt war (tauchen meines Wissens nach in der deutschen Studie nicht auf). So oder so relativiert das natürlich die 6,87 Milliarden Onlinsespenden auf gut 3%. Andererseits wächst dieser Anteil momentan mit mehr als 50% pro Jahr und die Erfahrungen von Obama zeigen, dass es in Zukunft vielleicht einen noch schnelleren Wechsel in Richtung Internetspende geben wird.
Erstellt am 31.3.2008 um 17:06
In Deutschland werden ca 20 Milliarden € an “Spenden” allein durch die Kirchensteuer eingezogen, während sich die Kirchen in USA durch Spenden finanzieren müssen. Die Spendenwilligkeit wird in USA massiv durch die hohe Erbschaftssteuer gefördert. Der US Erbschaftssteuer kann man sich auch nicht wie bei uns durch Umzug in ein anderes Land oder durch Annahme einer anderen Staatsbürgerschaft entziehen! Offensichtlich akzeptieren US Bürger wie Bill Gates aber offensichtlich die US Steuerregeln, die den Lebenden mehr vom verdienten Geld lassen, es aber bei den Erben ähnlich wie sonstige Einkommen besteuern. Eigentlich ein ganz vernünftiges Prinzip, dessen Einführung auch in Deutschland wohl auch sinnvoll wäre, aber an der deutschen Industrielobby scheitert.
Erstellt am 1.4.2008 um 0:42
Hi portaleco!
Keine Frage, man muss in Deutschland die Kirchensteuer berücksichtigen. In den oben angeführten 223 Mrd. US$ wurden allerdings kirchliche Spenden in den USA in Höhe von ca. 72 Mrd. US$ bereits abgezogen, so dass die pro Kopf Spende im Land der unbegrenzten Möglichkeiten noch immer mindestens 6mal so hoch ausfällt wie hierzulande (trotz des aktuellen Dollarkurses).
Was Du zur Erbschaftssteuer schreibst klingt vernünftig, wobei ich mir nicht sicher bin, ob man in den USA diesbezüglich wirklich höhere Abgaben zahlt. Ist das so?
Erstellt am 1.4.2008 um 11:25
Bei Vermögen über 2 Millionen $ fällt in USA eine Erbschaftssteuer von 46% an. Diese wird anders als in Deutschland vom IRS auch ziemlich rigoros eingetrieben. Der jährliche Ertrag der Erbschaftssteuer in USA ist etwa 70 Milliarden $.
Erstellt am 1.4.2008 um 11:31
Beeindruckend und im Gegensatz zu den oft genannten Befürchtungen führt das offensichtlich auch nicht zur Massenabwanderung im Alter, sondern scheint eher einen Beitrag zur Stiftungskultur zu leisten.